Den Tränen nahe oder Octopus am Spieß


Hochverrat! Skandal! Krakenorakel Paul hat uns um die WM betrogen! Der achtarmige Saugnapffetischist hat uns mit seiner Prognose aus dem Turnier gekickt! Nicht die Spanier waren’s, sondern ein Meeresbewohner! Wie deprimierend. Dabei war es doch so schön auf der Euphoriewelle zu schwimmen. Von einem Hochgefühl zum anderen getragen zu werden. Mit jedem Tor der deutschen Mannschaft die Sinne noch berauschter zu fühlen. Gänsehaut am ganzen Oberkörper, Entenpelle untenrum.

CUT! Halbfinale gegen Spanien! Alles ist ganz anders und sollte doch viel schöner sein.

Nichts ist es nun mit Freudentaumel und Dauergrinsen, mit Autokorso und Hupkonzert. Stattdessen den Tränen nahe, enttäuscht, wütend, leer. Gedrückte Stimmung auch im Büro. Der WM-Kater hat zugeschlagen und die Kratzer schmerzen noch immer. Triste Stimmung unter den Kollegen, die gestern Nachmittag noch so zuversichtlich und voller freudiger Erwartung waren.

Dabei hatten wir uns so viel vorgenommen, wir, die Fans und Anhänger unserer Nationalmannschaft. Voll ausgerüstet mit Schminke, Fahne und Trikot ab zum Public Rudelgucken Event. Die Revanche für 2008 war geplant und lag zur Umsetzung fertig in unseren Köpfen. Ein viel umjubelter Einzug ins Finale gegen den Nachbarn aus dem Käsemekka sollte es sein. „3:0 reicht uns diesmal“, durfte ich mir vorher noch etwas großkotzig anhören. Zwar hatte ich mich auf ein enges, schweres Spiel eingestellt, doch mit dem besseren Ende für uns. Doch nichts wurde draus, keine Revanche, kein grinsen, kein Feiern. Bon jour, Tristesse!

Vor dem Spiels gab es auf der von mir besuchten „Fanmeile“ noch das ein oder angeregte Gespräch über Taktiken und die Kompensation des Müller-Ausfalls. Einstimmig wurde gegen Trochowski gestimmt, Jogi brachte ihn trotzdem und Troche uns um den Verstand. Während des Spiels kippte die Stimmung von positiver Erwartung in verhaltenes Zweifeln und stilles Entsetzen. Die Zeit nach dem Tor kam einer Grabesstille gleich. Die darauf folgenden 20 Minuten waren gefüllt mit Hoffen, Bangen und Resignation. Das Bier schmeckte schal und der Hunger auf ne Stadionwurst war auch verflogen. Ärger über die Spielweise, Wut über die Passivität und Unwissenheit, warum der Bundesjogi die Jungs nicht eingestellt bekommen hat. Klar, kommen die Jungs mit Gegen-Pressing nicht klar, aber mehr Engagement hätten wir uns gewünscht. Paraguay hat’s ja vor gemacht, Chile auch!

Nach dem Spiel dann betretendes Beisammenstehen mit langen Gesichtern, wortkarge Erklärungsversuche. Nach einer knappen Viertelstunde, die einer gefühlten Ewigkeit gleich kam, einigte man sich auf einen Abschied – jeder ging seines Weges um still zu leiden.

Komisch war es, an Knotenpunkten vorbei zu fahren, wo nach einem Deutschlandspiel nicht gejubelt wurde, wo nur schwarz-weiße Trikotträger mit hängendem Kopf standen und Fahnen über den Boden schliffen.

Ich selbst fühlte mich auch leer und enttäuscht. Traurig war ich nicht, nur diese nagende Frage, warum wir so passiv waren und unser Spiel nicht umsetzen konnten. Und natürlich, woher Paul sein Wissen nimmt. Haben Tiere magische Fähigkeiten, den sechsten Sinn, das zweite Gesicht? Warum hat der das spanische Muschelfleisch genommen, nicht aber das schmackhafte deutsche? Ein Kollege sagte mir, die ganze Sache wäre von der Wettmafia getürkt und Paul wäre beeinflusst worden. Jakobsmuschel auf Zitronengras im spanischen Topf, knoblauchgetränkte Leckmuschel bei uns. Kein Wunder, da hätte wohl jeder Spanien gewählt. Soll Paul nur bloß auch bei den restlichen beiden Spielen richtig liegen. Dann kann ich vielleicht nochmal etwas Kohle machen. Ansonsten weiß ich ja, wo der Krakenmann wohnt, und weit ist der Weg nicht…

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2 Antworten zu Den Tränen nahe oder Octopus am Spieß

  1. stefanhensch schreibt:

    Nee, Paul kann nichts dafür!!! Wahnsinn! Presseagenturen melden, daß das Spiel manipuliert wurde und ANNULIERT werden muss. Deutschland zieht wahrscheinlich doch ins Finale!

    http://stefanhensch.wordpress.com/2010/07/07/wm-sudafrika-wird-das-spiel-deutschland-spanien-annulliert-zieht-deutschland-doch-ins-finale/

    • lonesomerider82 schreibt:

      Gott sei Dank! Nachdem ich deinen Text gelesen und die Quellen geprüft habe, muss ich nicht mehr weinen und freue mich auf ein Finale Deutschland – Oranje 😉

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