Es ist „in“ Multikulti zu sein


Die WM ist vorbei und trotzdem möchte ich nochmal einen Nachtrag zur Wirkung liefern. Denn die Nationalmannschaft hat noch mehr bewirkt, als die Feierlaune zu stärken und Sympathien für Deutschland und den deutschen Fußball zu wecken. Durch Löws Zusammenstellung der Truppe identifinzieren sich nicht nur „deutsche Deutsche“ mit dem Land, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund (was diesen ja gerne einmal abgesprochen wird).  Gut ein Drittel des Teams hat einen Teil seiner Wurzeln in einer anderen Nationalität – Khedira (Tunesien), Marin (Bosnien), Özil, Tasci (Türkei), Boateng (Ghana), Aogo (Nigeria), Trochowski, Podolski, Klose (Polen), Gomez (Spanien), Cacau (Brasilien).

Vor dem Hintergrund dieser – funktionierenden und einheitlich auftretenden – Multikultitruppe kann auch die Gesellschaft in Deutschland, kann das Land einen Mehrwert davon tragen. Im Sport scheint das problemlos zu funktionieren, was in Politik und Gesellschaft häufig Fragen und Probleme aufwirft. Kein „ich war zuerst hier“, aber auch kein „ich bin zwar kein Gast mach aber mein eigenes Ding“-Gehabe ist in der Gemeinschaft der Nationalmannschaft vorzufinden. Alle sehen sich als gleichwertig und respektieren sich. Und es wird auch nicht unter dem Deckmantel eines „größeren Ziels“ über Diskrepanzen hinweggesehen, sondern es wird auch gemeinschaftlich gemeint!
Es ist einfach „in“, zu dieser Entwicklung zu gehören, sie anzufeuern und sich über ihre Ergebnisse zu freuen. Wenn Schweini und Poldi sich herzen nach einem Tor, wenn Cacau stolz und glücklich ist, das deutsche Trikot tragen zu dürfen, wenn Özil oder Khedira von nach ihren Toren von einer Mannschaftstraube erdrückt werden. Das ist Einheit – nicht, was das französische Team bei der Hymne singt und gegenteilig auf dem Platz zeigt. Von Wegen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – da sind wir aber näher dran!

Wenn dieses „neue Deutschland“ in allen Bereichen angenommen wird, wenn von der einen Seite aktzeptiert und von der anderen Seite integriert wird, dann kann es sogar einen neuen (wirtschaftlichen) Aufschwung zur Folge haben. Dies sieht zumindest auch Peter Walschberger, Biopsychologe der FU Berlin so. Er glaubt, dass die WM eine Chance für die deutsche Gesellschaft sein kann, denn „was die deutsche Mannschaft vorlebt, ist Einheit in Vielfalt“. Gerade diese Vielfalt sorgt nicht für Spaltung einer Nation nach „Vorbild“ eines mittelalterlichen Vielvölkerstaats, sondern dient der Annäherung und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit anderen Nationen ohne großen politischen Hintergedanken.
Natürlich ist das schon alles sehr weit und optimistisch gedacht, wenn von derzeitigen Stand nicht gar utopisch. Doch kann der Sport auch hier, wie bei so vielen anderen Gelgenheiten der Initiator für eine Wandlung sein. Auch hier kann ich einen Gleichdenkenden zitieren, wenn Sportphilosoph Gunter Gebauer sagt, dass „die Politik den wirklichen Ereignissen“ [hinterherhinke], da die Migrabten bereits einen festen Platz in der Gesellschaft eingenommen hätten. Würde sich die Gesellschaft kongruent zur Nationalmannschaft verhalten und auf allen Ebenen den Respekt und das Miteinander pflegen, hätte ich nichts dagegen.

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