Tour de Farce


Die Tour de Farce…äh France 2010 ist zu Ende und sie hat einen Sieger – Alberto Contador! Verdient? Vielleicht! Vielleicht, weil er wohl am besten gedopt hat und diesmal nicht aufgefallen ist. Vielleicht hatte er aber auch nur Glück. Vielleicht genoss er in diesem Jahr auch einfach nur noch Immunität. Denn Contador, der Sieger von 2010 und auch von 2009 sowie 2007, gehörte ebenfalls zum Verdächtigenkreis während der Schlammschlacht im Dopingkrieg 2006. Doch als es für ihn zu heiß wurde und ihm ebenfalls – wie Jan Ullrich, Ivan Basso, Francisco Mancebo, Joseba Beloki, Oscar Sevilla und weitere – der Ausschlus wegen Dopings bei Dopingdoc Fuentes drohte, ließ er sich ins Kronzeugenprogramm aufnehmen. Alle Beweise gegen ihn waren damit nicht verwertbar. Schlaues Kerlchen! So kann man natürlich auch besser Toursieger werden – Konkurrenten aus dem Weg geräumt und selbst immun. Absolut keinen Respekt habe ich mehr vor Lance Armstrong. Dieser Doping-Guru ist der Witz der Tour – und keiner kann oder will ihm etwas nachweisen. Alles, was über ihn bekannt ist, gilt aufgrund von Verjährung als nicht mehr gültig oder nachweisbar. Seine 7 Siege zählen für mich nicht zur Tourhistorie, dort herrschen weiße Flecken. Auch das Duell Armstrong – Ullrich bekommt so einen ganz faden Beigeschmack. Die Szene am Berg, als sich beide Kontrahenten belauerten und Amrstrong dann plötzlich völlig problemlos davon zog, sorgte damals für Aufsehen und Jubelstürme über die sportlichen Finessen der Fahrer. Jetzt lacht man darüber. Die Zeit der 2 Jahre vor und nach 2006 (und wahrscheinlich auch bereits in den 90ern) sind ein Schandfleck für den Sport.

Überhaupt ist die Tour nach Bekanntwerden des – bis dato – ganzen Dopingsausmaßes einfach lächerlich geworden, nicht mehr Ernst zu nehmen. Als Zuschauer muss man sich fragen, ob die führenden Fahrer nicht auch in den Jahren seit 2006 wieder gedopt haben. Oder besser: man ist sich ja schon fast sicher, dass sie es sind, nur beweisen kann man es momanten wieder nicht. Vielleicht will man es auch nicht beweisen, damit die Tour wieder an Ansehen gewinnt. Ich jedenfalls schaue mir kein Radrennen mehr an, wenn ich beschissen werden will, gehe ich ins Casino! In diesem Zusammenhang ist es auch eher amüsant, dass es Fahrer gibt, die kleine Motoren im Rahmen integriert haben. Damit können sie ca. eine halbe Stunde „unterstützend“ fahren und Berge oder Zeitfahren durchaus erfolgreicher bestreiten. Da dies nicht offiziell verboten ist, kann auch niemand etwas dagegen sagen. Im Moment. Lächerlich finde ich es trotzdem!

Die wahren Sieger müssten dann wohl diejenigen sein, die auf den hinteren Plätzen bei der Tour mitfahren. Sie müssten ja dann eigentlich solche sein, die „sauber“ bleiben wollen, die den Sport noch ehren. Vielleicht sind sie aber auch einfach zu naiv um zu dopen oder haben nicht die nötigen Kontakte. Ich jedenfalls sehe die Fahrer, die die Tour beenden – dies allerdings unbekannt und weit hinten – als Sieger. Sie können sagen, sie sind die Tour tatsächlich gefahren. Berge ohne Hilfsmittel hinaufgeklettert und Zeitfahren ohne neues Eigenblut gefahren zu sein. Das dies im Fahrradsport nichts bringt, ist dabei zweitrangig. Wer die Tour gewinnt ist also egal, schaut man nach hinten, findet man die wahren Sieger.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Medialer Small Talk abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Tour de Farce

  1. Emily schreibt:

    Wieder einmal sehr schön geschrieben. Bissig und anschaulich :mrgreen: . Ich sehe mir den Krampf gar nicht mehr an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s