Mit dem Holzhammer


Nach ein paar kurzen Worten im letzten Text, nun wieder etwas zur Medienszenerie. Herr Sarrazin, der kontroverse Bundesbank-Streit-Thilo, hat wieder etwas vom Stapel gelassen und nun mächtig Ärger mit den Männern in schwarzen Roben. Gegen ihn wird nun wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung ermittelt. Warum? Darum:

„Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich immer dümmer.“ Zuwanderer „aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika“ seien weniger gebildet als Migranten aus anderen Ländern, wörtlich: es gebe „eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz“.

Aus der Luft griff er vor einiger Zeit ebenfalls, dass viele Migranten leistungs- und integrationsunwillig seinen. Belegende Zahlen würden helfen, doch die kann er nicht vorlegen.

„Zudem müsse er niemanden anerkennen, der vom Staat lebe und diesen Staat ablehne und ständig „neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und für 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin“.

Wenn man schon auf ein – durch die Geschichte bedingt – heikles Thema (in der heutigen Zeit ist es die Integrationspolitik) zu sprechen kommt, sollte dies vielleicht mit etwas mehr Feingefühl geschehen, als mit dem Holzhammer. Demokratischere Aussagen wären an solch einer Stelle sicherlich angebrachter, nicht aber von Herrn S. Eine Berliner Anwaltskanzlei sieht solche Aussagen im Auftrag ihrer Kläger als „gezielt beleidigende rassistische Äußerung“ an, die „den Rahmen der Meinungsäußerung verlässt“. Zu Recht, denn solch eine Polemik braucht kein Mensch.

Vielleicht hat der Bundesbankvorstand, der laut eigener Aussage „wachrütteln“ möchte, beim australischen Premierminister John Howard abgeguckt. Allerdings hat dieser es meiner Meinung nach ein wenig intelligenter, wenn auch ebenfalls hart angesprochen (Dabei stelle ich mich keineswegs auf irgendeine politische Seite, es ist einzig meine Einschätzung der Lage, dass Herr H. es ohne brisante gesellschaftliche Vorgeschichte eher so direkt ansprechen kann, als es hierzulande der Fall ist und es als polemische Wortbälle verstanden werden muss). Auszüge aus der Rede zum Jahrestag der Baliattentate, Februar 2008 kurisieren im Internet, hier einige Beispiele:

„Einwanderer müssen sich anpassen, nicht Australier“. Akzeptieren sie es, oder verlassen sie das Land. Ich habe es satt, dass diese Nation sich ständig Sorgen machen muss, ob sie einige Individuen oder deren Land beleidigt. […]
Wir sprechen überwiegend Englisch, nicht Spanisch, Libanesisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch, Italienisch, Deutsch oder andere Sprachen. Deswegen, wenn ihr Teil unserer Gesellschaft werden wollt …. lernt unsere Sprache!
Die meisten Australier glauben an Gott. […] Wenn Gott euch beleidigt, dann schlage ich euch vor einen anderen Teil dieser Welt als eure neue Heimat zu betrachten, denn Gott ist Teil unserer Kultur. […]
Aber wenn ihr euch ständig beschwert, Mitleid sucht, unsere Fahnen verbrennt, unseren Glauben verurteilt, unsere christlichen Werte missachtet, unseren Lebensstil verurteilt, dann ermutige ich euch einen weiteren Vorteil unserer großartigen australischen Demokratie und Gesellschaft zu nutzen: Dem Recht das Land zu verlassen! Wenn ihr hier nicht glücklich seit, dann geht! Wir haben euch nicht gezwungen hierher zu kommen. Ihr habt gebeten hier sein zu dürfen. Also akzeptiert das Land, das euch akzeptiert hat.

Klingt zuweilen recht hart und ebenfalls feindlich gesinnt, doch „lenkt“ er in einem zweiten Abschnitt ein.

Wir werden eure Glaubensrichtungen akzeptieren, und werden sie nicht in Frage stellen. Alles was wir verlangen ist, dass ihr unseren Glauben akzeptiert, und in Harmonie, Friede und Freude mit uns lebt.

Wie dies nun aufgefasst wird und ob es radikal klingt, muss jeder für sich entscheiden. Ob es kalkulierte Provokation à la Herr S. war, um in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt zu haben, muss dahin gestellt bleiben. In jedem Fall ist das Anschneiden eines solchen Themas in einer öffentlichen Rede wohl unglücklich gewählt, da es so immer zu Irritationen und Provokationen kommt.
Vielleicht sollten beide Herren – Sarrazin und Howard – meinen Text zur Multikultur lesen und sich ein Beispiel am Fußball und der deutschen Nationalmannschaft nehmen. Da ist Integration kein Thema!

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2 Antworten zu Mit dem Holzhammer

  1. alien59 schreibt:

    Kurze Anmerkung: vor längerer Zeit wurde diese angebliche Howard-Rede, die bei PI etc. so gerne zitiert wird, als hoax entlavt. Nicht, dass ich Howard sonderlich schätzen würde, aber alles muss man ihm ja nicht in die Schuhe schieben.

    Sarrazin – dem passiert sicher wieder nix. Vermutlich bleibt er auch in der SPD. Das Ausschlussverfahren ging ja letztes Mal schon schief.

    • lonesomerider82 schreibt:

      Ok, ich hatte so etwas schon befürchtet, aber wollte trotzdem mal etwas dazu schreiben. Auch wenn Howard es nicht gesagt hat, finde ich solche Äußerungen recht unüberlegt und polemisch. Ich lasse den Artikel ,al online stehen. Es gibt bestimmt Menschen oder Politiker – neben Sarrazin -, die so denken und es auch äußern. Dazu kann ich nur sagen, dass der Holzhammer der falsche Weg ist. Was genau Howard gesagt hat bzw. denkt, würde mich aber dennoch interessieren.

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