Die Vielfalt der Masse


Bahn fahren macht Spaß. Manchmal. Meistens ist es einfach nur nervig, weil die Züge Verspätung haben, ausfallen oder sich die Bahn fiese, völlig an den Haaren herbeigezogene Ausreden überlegt, um die Reisenden zu schikanieren.
Ein weiterer Bonus sind die Fahrgäste, die gemeinsam mit einem warten, hoffen, sich langweilen oder dem Wahnsinn nahe sind. Diese Masse von Menschen ist so vielfältig, dass sich der genaue Beobachter die Zeit, die die Bahn ihm mal wieder stiehlt, nutzen kann, um sich zu amüsieren – ja, um teilweise sogar persönliche Sozialstudien durchzuführen. Manchmal sollte man diese Masse an Menschen, an Reisenden unterschiedlichster Art einfach auf sich wirken lassen. Dann ist man definitiv beschäftigt.

Das ist nicht immer schön, aber doch abwechslungsreich. Da gibt es die gut gekleideten Geschäftsleute, die alle fünf Minuten an ihrem Anzug zupfen, ihn zurecht rücken und Flusen entfernen. Dann sind da die Gehetzten zu finden, die wohl immer und hinter jder Bahn herrennen müssen. An anderer Stelle stehen die Kopfnicker mit ihren Stöpseln im Ohr und der Musik so laut, dass auch alle umstehenden bzw. -sitzenden Personen mitnicken könnten. Immer und überall auch vertreten die Spezies der Smartphoner. Es vergeht kein Moment, an dem sie nicht wilde Wischbewegungen auf ihrem Display vollführen. Wenn man Glück hat, schauen sie beim Einsteigen nochmal kurz auf, wem sie gerade in die Hacken latschen.Es gibt noch einige mehr, die aber alle nicht so interessant sind wie der König unter den Zugfahrern.

Seine Majestät: Der Sparsame! Er benutzt höchstens einmal in der Woche Wasser, um sich frisch zu machen. Diese Sorte Bahnfahrer ist zu jeder Tageszeit anzutreffen, besonders beliebt macht er sich allerdings morgens im Berufs(bahn)verkehr. Wenn leicht müffelige Note von Schweiß, kaltem Zigarettenrauch und fettigem Harr durch das abteil weht, weiß man: diese Bahn wurde markiert. Wer das Glück hat, in seiner Nähe zu sitzen, hat manchmal das Erfolgserlebnis, eine feine Biernote zu erschnüffeln (wobei das nur bei den allzu klischeetreuen Sparsamen vorkommt). Das ist auch der Grund für seinen Adelstitel, denn er hat selbst in einer überfüllten Bahn seinen Vierersitz meist als Thron für sich allein.

Besonderes Schmankerl heute morgen war allerdings keiner der besagten Stereotypen, sondern die Masse an sich. Als sie so gleichzeitig aus den Abteilen drängte, um schnellstmöglich zur U-Bahn zu quellen und ich in ihr, auf ihr mitschwamm, wurde ich doch das ein oder andere mal gefährlich nah an die Haarpracht einzelner Reisender gedrängt. Auch dort gibt es eine bunte Vielzahl an Typen, die eigentlich alle gar nicht so genau betrachtet werden wollen. In Fall heute morgen passierte meine Nase die Halbglatze eines Mittdreißigers, prallte dann fast mit der Wolle eines Afros zusammen, um sich abschließend gerade noch rechtzeitig vor der feuchten Mähne eines Geschäftsmenschen in Sicherheit zu bringen. Ob die Näße aus frisch gewaschenem Haar oder Anstrengung am Morgen resultierte, vermag ich – glücklicherweise – nicht zu sagen.

Was ich euch mit diesem kleinen Text sagen will: Nutzt die Zeit, die ihr Bahn fahrt und lasst euch nicht ärgern. Es gibt viel zu entdecken! An alle „Nicht-Bahnfahrer“: Fahrt mehr Bahn, ihr verpasst etwas!

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